19.05.2003


Presseinformation



Betr.: Ausstellung Verfolgung und Verwaltung
- Die Rolle der Finanzbehörden bei der wirtschaftlichen Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland-


Pressetermin / Fototermin: Di., dem 20.05.03 um 12.15 Uhr
HAUS am KLEISTPARK, Grunewaldstr. 6-7 (U-Bahnhof Kleistpark)



Die parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Finanzen Frau Dr. Barbara Hendricks wird die Ausstellung Verfolgung und Verwaltung am o.g. Termin besuchen, die das HAUS am KLEISTPARK mit wissenschaftlicher Unterstützung der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz konzipiert und ausgerichtet hat. Basis ist eine Wanderausstellung des Geschichtsortes Villa ten Hompel in Münster, die in der 19. Station in Berlin angekommen ist und um einen ausführlichen Berliner Teil ergänzt wurde. Deshalb werden zu diesem Termin auch der Initiator und wissenschaftliche Leiter der Wanderausstellung Dr. Alfons Kenkmann und
Herr Gerd Blumberg von der OFD Köln/Münster anwesend sein.
Die Kombination der beiden Ausstellungsteile macht sinnfällig, dass das bürokratische System nicht nur in der „Reichshauptstadt“, sondern im ganzen Land reibungslos
funktioniert hat.
Im HAUS am KLEISTPARK sitzen die Besucher an zahlreichen zeitgenössischen Tischen (Schreibtischen, Esstischen, Küchentischen), welche das jeweilige Thema symbolisieren. Auf diese Weise ist der Berliner Ergänzungsteil konsequent auf der Horizontalen ausgebreitet und wird durch die Stelltafeln der Münsteraner Wanderausstellung strukturiert. Ein spezifisches Licht bewirkt darüber hinaus, dass sich in den drei großen Ausstellungsräumen die Atmosphäre eines alten Archivs ausbreitet, in dem jeder „studieren“ kann: Die kurzen Einführungstexte, die exemplarisch ausgebreiteten Dokumente und Briefe oder die gesamte Akte. So ist z.B. im Wortlaut das Protokoll einer Konferenz vom 12.11. 1938 nachzulesen, die im Reichsministerium für Luftfahrt (heute Sitz des Bundesministeriums für Finanzen) unter dem Vorsitz von Hermann Göring stattgefunden hat. Auf einem ovalen Tisch finden sich die 7 Hauptredner dieser Konferenz, auf der zahlreiche antisemitische Maßnahmen beschlossen wurden. Darunter auch Verordnungen, die in der Zuständigkeit des Reichsfinanz-ministeriums fielen und in deren Folge das Eigentum der jüdischen Bevölkerung in verschiedenen Stufen „zu Gunsten des Deutschen Reiches“ vereinnahmt wurde.
In der Ausstellung werden diese Erlasse an Berliner Beispielen so präsentiert, dass sowohl die Bürokratie-Sprache deutlich wird als auch die unmittelbar existenzbedrohenden Folgen, die diese zunächst für die ins Exil getriebenen Familien und später für die Deportierten hatten.



Diese Ausstellungspräsentation führte schon in den ersten 12 Tagen der Ausstellung zu einem überraschend großen Besucherinteresse: Mitarbeiter von Finanzämtern und aus anderen Verwaltungen, Schüler der einschlägigen Oberschulen und Fachschulen und historisch Interessierte. Sie alle ließen sich auffällig lange und intensiv auf die ausgebreiteten Dokumente, Fotos und Briefe ein. Die Ausstellung scheut sich nicht auch die Nachkriegsentwicklung bis in die nahe Gegenwart darzustellen, letztere am Beispiel des Konflikts um eine Gedenktafel 1994 für die Vermögensverwertungsstelle Moabit West.

Wegen der großen Nachfrage wird der Berliner Teil über das geplante Ende der Ausstellung am 1. Juni 2003 hinaus bis zum 22.6.03 verlängert. Der westfälische Teil wandert dann an seine nächste Station: Das Finanzministerium in Düsseldorf.



Fotos der Ausstellung finden Sie unter www.hausamkleistpark-berlin.de
Ansprechpartnerin: Katharina Kaiser Tel.: 7560-6965

Veranstaltungsort:
HAUS am KLEISTPARK
Grunewaldstr. 6-7, 10823 Berlin
5. Mai - 22. Juni 2003
Mo bis So, 10 - 18 Uhr
donnerstags bis 20 Uhr
- Eintritt frei -
Öffentliche Führung jeden
Sonntag 11 - 12.30 Uhr
(für Gruppen und Schulklassen
nach telefonischer Voranmeldung
030 - 7560 47 03/6964)





Presseinformation vom 30.04.2003

Zur Pressevorbesichtigung / Fototermin
der historischen Ausstellung

am Freitag, dem 02. Mai um 11 Uhr

laden wir Sie herzlich ein ins HAUS am KLEISTPAR
K


Verfolgung und Verwaltung
Die Rolle der Finanzbehörden bei der wirtschaftlichen
Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland


Diese Wanderausstellung aus Münster/Westfalen ist nach mehr als 20 Ausstellungsstationen in Berlin angekommen. Sie wird vom Kunstamt Tempelhof-Schöneberg in Kooperation mit der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz um einen ausführlichen Berliner Teil ergänzt. So wird sehr anschaulich, dass das bürokratische System nicht nur in der "Reichshauptstadt" sondern im ganzen Land reibungslos funktioniert hat. Der Berliner Teil stellt die in Berlin tätigen Ämter der Finanzverwaltung vor und die Ausbildung der jungen Finanzbeamten. Auf zeitgenössischen Tischen ausgebreitet, an denen man sitzend die Dokumente studieren kann, erschreckt im Berliner Teil die authentische „legalistische“ Sprache, welche die dahinter stehenden Gewaltakte auf den ersten Blick neutralisiert. An 10 exemplarischen Biografien wird deutlich, welch existenzbedrohende Auswirkungen die Anordnungen und Gesetze konkret für die betroffenen jüdischen Familien hatten.

Die Dokumente der Ausstellung reichen bis in die Nachkriegszeit und stellen die schnelle Rehabilitierung und den Wiederaufstieg am Beispiel exponierter Beamter den lang andauernden Bemühungen von überlebenden Familienmitgliedern gegenüber, zumindest eine finanzielle Rückerstattung des unrechtmäßig eingezogenen Eigentums zu erwirken.

Die Ausstellung will verdeutlichen, wie wichtig der in den letzten Jahren eingeführte Begriff der „Bürger-nähe“ für das gegenwärtige Verwaltungshandeln ist, der den Blick von Verwaltungsbeamten und -angestellten für den hinter einem Fall stehenden Menschen öffnet. Als die moderne Bürokratie im aus-gehenden 19. Jahrhundert entstand, galt gerade die sachliche nicht von menschlichen Beziehungen beeinflusste Haltung als positiv bewertetes Merkmal der rational funktionierenden modernen Verwaltung. Was zunächst als Garantie für die Gleichbehandlung aller Bürger angesehen wurde, barg aber auch die Gefahr, dass die Konsequenzen bestimmter Verwaltungshandlungen nicht mehr sichtbar waren und so für ein Un-rechtssystem missbraucht werden konnten.

Der Berliner Teil wird durch eine aktuelle Publikation der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
“Die Reichsfinanzverwaltung im Nationalsozialismus" ergänzt.


Veranstaltungsort:
HAUS am KLEISTPARK, Grunewaldstr. 6-7, 10823 Berlin

Eröffnung:
Sonntag, 04. Mai 2003 um 11.30 Uhr
Öffnungszeiten: 5. Mai bis 1. Juni 2003
täglich 10 bis 18 Uhr,
Donnerstag bis 20 Uhr
– Eintritt frei -

Öffentliche Führung jeden Sonntag 11-12.30 Uhr.
Führungen für Gruppen und Schulklassen nach telefonischer Voranmeldung 7560 4703 / 6964



HAUS am KLEISTPARK
Kunstamt Tempelhof-Schöneberg
Grunewaldstr. 6-7, 10823 Berlin

Tel.: (030) 7560-6964, Fax: 7560 4613


E-Mail: hausamkleistpark-berlin@t-online.de
web: www.hausamkleistpark-berlin.de


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